Kocher: ticket2west fördert überregionale Vermittlung Teilnehmer bekommen Großteil der Wohn- und Kursnebenkosten ersetzt – gemeinsames Pilotprojekt von Arbeitsministerium, AMS, WKO und AK

Das Arbeitsministerium hat gemeinsam mit dem AMS, der Arbeiterkammer sowie der Wirtschaftskammer ein Pilotprojekt gestartet, um die überregionale Vermittlung zu fördern. Mit ticket2west sollen bestehende Potentiale am Arbeitsmarkt genutzt werden, um Fachkräfte in Regionen mit hoher Nachfrage zu vermitteln.

„Wir haben derzeit die Situation, dass trotz Pandemie viele Betriebe, vor allem im Westen Österreichs, offene Stellen für Fachkräfte nur schwer besetzen können. Gleichzeitig sind viele Menschen auf Jobsuche“, so Arbeitsminister Martin Kocher. „Wir wollen dieses Potential nicht ungenutzt lassen und haben daher das Pilotprojekt ticket2west ins Leben gerufen, um die überregionale Vermittlung auszubauen und allgemein zu verbessern.“

Konkret sollen Informationsveranstaltungen im Rahmen von „ticket2west“ 1000 Personen erreichen. „Einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten letztlich ein Rundumpaket, das von einer Unterstützung bei der Wohnungssuche bis hin zu einem großzügigen Förderprogramm reicht“, so Kocher weiter. Im Rahmen eines „Welcome Center“ für Arbeitssuchende erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begleitende Coachings und werden auf potentielle neue Stellen mittels vier- bis sechswöchigen Trainings vorbereitet.

700.000 Euro stellen Arbeitsministerium und AMS dafür bereit. „Mit den 700.000 Euro, die wir in das Projekt investieren, werden die potentiellen Kandidatinnen und Kandidaten im Projekt mit doppelt so hohen Zuschüssen für Wohnkosten und Kursnebenkosten unterstützt, als das bei sonstigen Mobilitätsbeihilfen der Fall ist“, betont Kocher. „Davon profitieren nicht nur die Arbeitssuchenden selbst, sondern auch die Betriebe. Mit ticket2west unterstützen wir bis zu 40 Betriebe, die dringend Fachkräfte suchen und diese mit den bisherigen Bemühungen nicht finden konnten, bei der Rekrutierung von Arbeitskräften“, meint der Arbeitsminister.

Ziel dieses Pilotprojekts ist es, Erfolgsfaktoren für die überregionale Vermittlung zu identifizieren. Eine begleitende Evaluierung soll Hinweise für weitergehende Maßnahmen geben.

„Das AMS Salzburg konnte bereits vor der Pandemie von der überregionalen Vermittlung aus dem Osten profitieren. Zahlreiche neue MitarbeiterInnen im Tourismus konnten im Bundesland etabliert werden. Aufgrund dieser Erfolgsgeschichte, wollen wir nun auch für andere Branchen diesen Weg öffnen und die Fachkräfteoffensive im Bundesland damit noch verstärken", so Jaqueline Beyer, Landesgeschäftsführerin des AMS Salzburg.

„Ein wesentlicher Erfolg für die überregionale Vermittlung ist, dass sich die Menschen am neuen Arbeitsort unterstützt fühlen – von grundlegenden Informationen über die Region über die Wohnungssuche bis zu Kinderbetreuung und Schulplatz. Dieses Projekt leistet genau das“, sagt AMS-Wien-Chefin Petra Draxl. „Damit können wir arbeitsuchende Wienerinnen und Wiener, die bereit sind, auch einmal in anderen österreichischen Regionen zu arbeiten, mit den gewonnenen Erfahrungen zu gesuchten Fachkräften machen.“

Karlheinz Kopf, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) betont: „Da die regionalen Unterschiede am Arbeitsmarkt nach wie vor groß sind, kann Mobilität neue Jobchancen eröffnen. Überregionale Vermittlung bietet dabei Chancen für beide Seiten: Betriebe kommen zur dringend benötigten Fachkraft, arbeitsuchende Menschen wiederum erhalten eine berufliche Perspektive. Es freut uns daher, dass das neue Projekt in Salzburg von vielen mitgetragen wird und Arbeitsministerium, AMS Salzburg, AMS Wien, AK, das Land Salzburg und natürlich wir als WK Salzburg und Wirtschaftskammer Österreich mit an Bord sind. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das erproben soll, welche Unterstützungsangebote es braucht, um die derzeit noch sehr geringe Mobilität in Österreich auszubauen.“ Das Problem zeige sich beispielsweise insbesondere beim Beruf Elektroinstallateur: Hier gibt es in Wien 856 Arbeitslose, aber nur 251 offene Stellen für Elektroinstallateure. In Salzburg hingegen kann ein arbeitsuchender Elektroinstallateur aus fünf verschiedenen offenen Stellen auswählen.

Christoph Klein, Direktor der Arbeiterkammer Wien, sagt: „Einen neuen Arbeitsplatz in einem anderen Bundesland anzunehmen und dafür den Wohnsitz zu wechseln ist für Arbeitnehmer*innen und ihre Familien eine weitreichende Entscheidung, die nicht mit Druck erzwungen werden darf. Es muss gesichert sein, dass es sich um einen sicheren, dauerhaften Arbeitsplatz mit gutem Einkommen und guten Arbeitsbedingungen handelt. Außerdem müssen sich die Arbeitnehmer*innen und ihre Angehörigen darauf verlassen können, dass es eine leistbare Wohnung für sie gibt und sie weitere Unterstützung, vor allem in der Frage der Betreuung und Ausbildung ihrer Kinder, erhalten. Dabei sind neben den Arbeitgebern vor allem die Länder und Gemeinden gefordert, ihre neuen Einwohner*innen und ihre Familien gut zu unterstützen. Das sind für die AK unerlässliche Voraussetzungen, damit eine Vermittlung von Facharbeitnehmer*innen etwa von Wien in westliche Bundesländer zu einer Erfolgsgeschichte für die Arbeitnehmer*innen und ihre Arbeitgeber werden kann. Deshalb hat sich die AK an diesem Pilotprojekt beteiligt. Denn die Fehler, die in manchen Fällen bei der Vermittlung auf Saisonarbeitsplätze in Tourismusbetriebe in anderen Bundesländern vor der Corona-Pandemie gemacht wurden, dürfen sich bei der Vermittlung von Facharbeitnehmer*innen in anderen Branchen nicht wiederholen.“